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BERICHTE

ÜBER DIE

YERHANDLUNGEN

DER SÄCHSISCHEN

GESELLSCHAFT DER WISSENSCHAFTEN

ZU LEIPZIG

PHILOLOGISCH-HLSTORISCHE KLASSE.

SIEBZIGSTER BAND 1918

MIT 15 FIGUREN IM TEXT

LEIPZIG BEI B. G. TEUBNER

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As 162

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INHALT.

Heft Feite

I E. Bethe, Medea-Probleme ) 22

II W. H. Röscher, Der Omphalosgedanke bei verschiedenen

Völkern, besonders den semitischen. Mit 15 Figuren im Text i 115

III A. Köster, Prolegomena zu einer Ausgabe der Werke Theo-

dor Storms I 73

IV R. Heinz e, Die lyrischen Verse des Horaz i- 91

V H.Zimmern, Zum babylonischen Neujahrsfest. Zweiter Beitrag i— 52

VI K. Brugmann, Verschiedenheiten der Satzgestaltung nach Maßgabe der seelischen Grundfunktionen in den indo- germanischen Sprachen i 93

Vn A. Körte, Worte zum Gedächtnis an Rudolf Hirzel .... 3* f^y

G. Seeliger, Albert Hauck I7»_30*

V^erzeichnis der Mitglieder der Sächsischen Gesellachaft der

Wissenschaften I

Verzeichnis der eingegangenen Schriften VP

(^itzungsprotokolle l* 2*

Bericlite über die Verhandlungen der Konigl. Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften

zu Leipzig

Philologiscli-historisclie Klasse

70. Band 1918 i. Heft

E. Bethe

Medea-Probleme

Leipzig

Bei B. G. Teubner

1918

/

Vorgetragen tür die Berichte am 4 Mai 19 18.

D&a Manuskript eingeliefert am 4. Mai 19 J 8.

Drucktertig erklärt am 30. Juni 1918.

Die Unmöglichkeit, zwei Stelleu der Euripideisclien Medea zu verstehen, haben mich zur Überzeugung geführt, daß daa Stück nicht ganz nach einheitlichem Plane ausgearbeitet ist. Da an spätere Überarbeitung im Ernst nicht zu denken ist die Vermutung stammt aus dem unberechtigten Verlangen, alle Bruchstücke der Ennianischen Medea bei Euripides wieder- zufinden — so muß der Dichter seinen ursprünglichen Ent- wurf während der Arbeit geändert haben.

Mich bekümmert nicht das Bewußtsein, wie unwillkom- men und verächtlich modernen Philologen solche "zersetzende Kritik' ist.

Heute gilt die Losung: das Kunstwerk als Ganzes künst- lerisch erfassen. So gewiß das richtig und gut ist von Verständigen wurde es längst still betrieben mit pro- grammatischen Trompetenfanfaren und eigener Anpreisung künstlerischer Fähigkeiten, mit wahlloser Begeisterung, die triviale Nachahmung und mühsam Erquältes ebenso hoch hält wie das Herrlichste, mit eilfertigem Fleiße alles mit ästheti- schem Schneckeuschleim zu verschmieren, fördert man solche feinen Aufgaben nicht, am wenigsten das Verständnis Homers. Doch auch seine Kritiker sind heute nur gar zu geneigt, ver- standesmäßige Einzelaiistöße durch Hinweise auf den künst- lerischen Zweck des Ganzen zu beschönigen. Nachdem bald ein Jahrhundert lang den feineu Vergil die Buben gemeiatert und grobe Phiiologenhände gemißhandelt hatten, war es not- wendig, ihm wieder Achtuno- zu schaffen und sein Verständnis zu erschließen. Aber nun soU auch aUes bei ihm im Lote sein. Ich kann nicht finden, daß meine Nachweise (Rh. Mu». XLVI, XL VII 189 1/2), die Laokoonepisode gehöre nicht zum ursprünglichen Plane des zweiten Aneisbuches und in einigen Eklogeu seien zwei nicht zusammenpassende Motive vereinigt

2 E. Bethb: [70, 1

tlurc'li IIkinzics (Vergils Epische Technik) iiiul Leos (Hermes XXXVIII 1903) Vertei(li<2;iint; an zwinpfeMilci- Knif't verh)ren hätten. Freilich habe ich aber auch nie behauj)tet, (biü die Gedichte durch diese /wiespältif^^e Entstehung Schaden ge- uommen hätten. Im Gegenteil hal)e ich ausdrücklich hervor- gehoben [\\\\. Mus, Xli\'ll 590), wie stimmungsvoll die erste Ekloge wirke, trot/dem sie ein l)is in alle Voraussetzungen und Einzelheiten durchsichtiges Bild nicht gebe, sie für diesen ihren Zweck also solcher Klarheiti gar nicl^t bedürfe. Zum vollen Verständnis aber des Gedichtes führt m. E. nur eine Analyse, wie ich sie vorgelegt. Zugleich kann allein diese Methode bei antiken Schriftstellern Einblick in das Werden ihrer Werke geben, um das man sich auch bei bescheideneren neueren Dichtern durch Aufstöbern ihrer Entwürfe und Tage- bücher so heiß bemüht.

Die Aufhellung der Entstehungsgeschichte der Medea ist ein Ergebnis der vorliegenden Arbeit, aber es war nicht ihr Ziel, sondern ausgegangen ist sie von der Interpretation. Ihr Mißlingen führte mich auf die Gründe und sie zu weiteren Schlüssen.

I

In der Euripideischen Medea beginnt die Heldin, nach- dem sie soeben von Kreon mit ihren Kindern des Landes verwiesen sich die Erlaubnis errungen hat, bis Sonnenunter- gang zu bleiben, ihren Racheplänen feste Gestalt zu suchen.

Dies Bewußtsein, wie knapp die Stunden sind, die ihr zur Verfügung stehen, spornt sie aus dumpfem I^achebrüten und ziellos wilden Verwünschungen zur Tat. Die Sicherheit, die ihr durch die gutmütige Torheit Kreons für diese Zeit gewährt ist, gibt ihr die Zuversicht, daß sie sie ausführen wird (371 5). Sie erwägt, welchen von den vielen ihr offenen Mordwegen sie gehen soll. Da verstehe ich die Verse 386 394 nicht.

Vortrefflich läßt Euripides zunächst ihre wilde Leiden- schaft sie zu handgreiflicher Gewalttat drängen. Den Palast

70. 1 1 Medea-Probleme. 3

will sie anzündeu, der Nebenbuhlerin auf dem Brautbette das Schwert ins Herz stoßen.

Doch diesen in erster Aufwallung jäh vorgestoßenen Worten folgt alsbald stilles und ernüchtertes Besinnen: 'schon bei der Annäherung könnte ich ertappt werden, mein Tod wäre sicher und meine Feinde würden höhnend triumphieren. Am besten ist mein eigenster Weg, für mich der grade: durch Gift will ich sie morden.'

Da bricht ^ie ab. Plötzlich stellt sie die Tat als ge- schehen hin, ehe sie auch nur mit einem Worte erwogen hat, wie sie auszuführen sei, ob sie gelingen könne. 'So sind sie denn tot; aber keine Zuflucht habe ich vor den Rächern. Warte ich noch eine kleine Weile und zeigt sich mir dann ein sicherer Turm, dann will ich 's heimlich listig tun; treibt mich jedoch unweigerlich das Unglück hinaus, so will ich sie tollkühn mit dem Schwerte töten, auch wenn ich dabei sterben soll.'

Ich stutze zunächst bei ihrem Worte 389 (isCvaö' ovv 6Ti G^iXQOV iQOvov rjv iiBV Ttg r^fttv TtvQyog KöcpaXijg (pccvri, öoXa lieteißi tövds ital 6iyfi (p6vov. Das ist das Gegenteil von allem was wir erwarten dürfen, was wir, vom Dichter geleitet, er- warten müssen. Mit feiner Kunst hat er Medea aus ihrer dumpfen Schmerzversunkenheit aufgepeitscht durch Kreons Befehl, sofort Haus und Land zu verlassen: das gibt ihr rasch ihre Spannkraft wieder. Ohne Besinnen packt sie die Gelegenheit der Zwiesprache mit dem aufgeregten Schwäch- ling, der unter polternder Energie (27 ijff., 352 ff.) vergeblich seine angeborene dumme Gutmütigkeit zu verbergen sich müht, und lockt ihm Aufschub um wenige Stunden ab. Doch kaum ist er gegangen, da nutzt sie die kostbare mit schwer abge- rungener Demut erkaufte Spanne Zeit zu Mordplänen, die einander überstürzen. Schon war sie auf ihrem 'geraden Weg' (385) listigen Giftmordes da soll sie plötzlich warten? Worauf warten? Was kann ihr auch nur die leiseste Hoff- nung geben, daß sich ihr, der Verlassenen, in der feindlichen Fremde eine Zuflucht auftun werde, ehe der Tag sinkt?

^ E. Hi'.iiir.: |7(), i

Dies Wiirtcu, unvcrständlicli an :'i('li, läuft der klaron kihistlerisi'hen Linicnlilhriiiii:; dos DiolittTw stracks entzogen.

Uoch Jioili nirlir: Pfr (icdiuike. dou sie nun 39oflf. ixus- ajiriclit, ist nur sprachlii-li Ivlar: 'ErölTnet sich eine M()L,^licli- koit, mich in Sicherheit zu bringen, so will icli meine Zanher- künste üben; wenn nicht, setze ich auch mein Leben aufs Spiel.' Unverständlich ist auch er. Warum will sieden sicheren Weg der Hinterlist, ihr gewiesen durch ihre Art und Kunst, verschmähen, falls ihr keine Zuflucht winkt, um den gefähr- licheren, wahrscheinlich aussichtslosen einzuschlagen? Sie hut ja doch eben (383) die offene Gewalttat doshalb verworfen, weil sie vielleicht schon auf der Schwelle des Palastes ge- packt, nicht bis an ihre Nebenbuhlerin, geschweige an alle ihre Feinde herankommen würde. Dagegen hat sie kein Mittel, und das Entsetzen vor der Möglichkeit, statt ihre Hache zu kühlen, ihren Feinden billigen Triumph zu ver- schaffen, sollte die unheimlich kluge, leidenschaftliche Frau doch jetzt mit derselben Wucht packen wie vorher. Aber nichts davon. Als wäre plötzlich ihr die Sicherheit des Ge- lingens der tollkühnen Tat gegeben, fährt sie 395 fort: 'denn bei meiner Herrin Helferin. Hekate Niemand soll es gut be- kommen, mein Herz zu kränken.' Was begründet sie unter Anrufung der Hekate? Die offene Gewalttat!

y.xEva 6(f£, r6X^i]g ö'h^l TCQog ro yMQTigov. 395 Ol' yaQ ^u trjv dsönoLvav, r^v iyco Geßoo ^uccXiöra TcdvTOV zccl ^vvsQybv sD.ö^rjv^ 'Exdzrjv ^iv%otg valovöav eörCag f,u^^, Xcdgav rig avrav rov^bv dXyvvsi z£aQ. Das ist widersinnig. Nicht das Schwert drückt ihr He- kate in die Hand, zur Tücke Gift und Zauberei hilft sie ihr, auf ihrem 'graden Wege' ist sie ihr Fükrerin. Und das ist denn auch der Gedanke des Folgenden. An List und Gift denkt sie doch allein, nicht ans Schwert, wenn sie 401 sagt: dXX^ slu. (pddov nr/öhv cov i^mtörcidai, Mr]d£ia, ßovXsvovöa xal TSXvcofiEvrj.

70, i] Medea-Puobli^me. 5

Zwischen 394 und 395 zerreißt der Zusammenhang und die ganze Versreihe 389 393 ist aus dem Gedankengange dieser Rede und zum Teil aus der Situation heraus nicht ver- ständlich. Mit ihnen gehören 386 388 untrennbar zusam- men. Sie fallen mit ihnen. Und siehe da, jeder Anstoß ist gehoben, tadellos fließen nach Aussonderung von 386 394 Rede und Gedanken. Die tollkühne GcAvalttat, ihr zuerst von der Leidenschaft eingegeben, hat sie 383 verworfen, ihren eigentlichen Weg hat sie 384/5 gefunden q^aQ^axotg avtovg iXtlv. Dazu paßt die Begründung 395 und der Schluß der Rede: 'bei meiner Göttin und Helferin Hekate Niemand soll mich ungestraft beleidigen, ich werde ihnen eine bittere Hoch- zeit bereiten- Wohlan, Medea, übe nun deine Listen und Künste.'

So hatte Euripides diese Medearede zuerst ge- schrieben ohne die Verse 386 394. Und doch kann kein Zweifel sein, auch ihre uns überlieferte Fassung stammt von Euripides. Nur er konnte Verse von solcher drama- tischen Kraft, Prachtstellen für den Schauspieler schreiben wie 3S6ff.

dsv nal dij re&väöL' ri'g ^s de^stai :i6Xig] Und wie ihr Stil, so zeugt der Aufbau der Tragödie für ihre Echtheit. Sie bereiten die Aigeusszene vor. Seit Aristo- teles (Poet. 1461 B 22) und gewiß schon vor ihm getadelt, wirkt sie immer wieder auf den kühlen Leser wie auf den begeisterten Verehrer wie 'ein Guß kalten Wassers'. Es ist eine Erlösung: Euripides hatte seine Medea ursprüng- lich ohne die Aigeusszene geplant, erst nachträglich hat er sie eingefügt, und, um sie wenigstens einiger- maßen zu verbinden, hat er 386 394 eingelegt, mit starker Bühnenwirkung aber wie das zu gehen pflegt nicht, ohne Sinn und Zusammenhang der Rede empfindlich zu stören.

Die Aigeusszene, ein kümmerliches Stück Poesie, trägt selbst, wie viele gefühlt, deutliche Anzeichen der so erwie- senen späteren Einarbeitung. Aigeus kommt hereingeschneit,

6 E. Betiie: [70, '

80 uuinotiviort wie wohl nioiunls oiiie IVtsuii in ^\ns orluil- tenen Tragiulieu. Er brgrüßt die Mcdea, uls wäre es eelb.st- veistäiullicli, lUiß er sie iu Koriuth träfe, und mit einer Herzlichkeit tut er es aucli sie erwidert sie die weder in dieser Gelegenheit ihres Zusammentreflens Erklärung findet, noch durch alte Freundschaft motiviert ist; auch die Athener wußten 431 nichts davon, daß die beiden in alter Beziehung gestanden hätten. An den Ilaaren herbeigezogen ist das Motiv zur jetzigen Reise des Aigeus nach Trözen um Pittheus das Orakel mitzuteilen, das ihn doch auf geradestem Wege nach Hause zu eilen hätte veranlassen sollen! nur damit er Medea in Korinth begegnen kann. Ebenso oberHächlich Avindet sich der Dichter aus der aufklaffenden Schwierigkeit, daß Aigeus, den er als hilfsbereiten Kavalier hinstellen wiU, Medea, die seinen Schutz so dringend augerufen, nicht o-leicli mitnimmt: könnte er doch nur so ihr und ihren Kin- dern wirklich Sicherheit geben: 'ich wiU mir auch von Frem- den keine Schuld vorwerfen lassen (730), deshalb sieh du selber zu, wie du nach Athen kommst.' Ein sonderbarer Kitter und ein wunderlicher Logiker. Kreon hat Medea aus- gewiesen, nur wider Willen ihr noch wenige Stunden Frist ge- geben. Jason wiU sie los sein. Beide würden nur mit Freude die Reisegelegenheit begrüßen, die Aigeus ihr anzubieten die Ritterpfliclit hat. Nein, Anfang wie Schluß der Aigeus- szene sind wenn überhaupt, so nur dann entschuldbar, wenn das Stück schon im Entwurf fertig war und diese Szene noch in den vollendeten Plan ohne Aufwand an Kunst und Liebe ein- geschoben wurde.

Es kann im Ernst nicht behauptet Averden, daß die Aigeusszene für die dramatische Entwicklung notwendig wäre. Medea braucht keine Zuflucht. rC ös ^iol trjv m xigdog, (f£v (p€v d^avdtoj y.arulv6aC^av ßioxäv (jtvysgäv itQoXiiiovöa ruft sie schon im Anfang (145), ti ftot If^v xtQÖog-, wieder- holt sie 798, als sie die Vergiftung der Braut und den Kinder- mord plant. Und das, obgleich uns eben noch der Dichter vorgeführt hat, wie sie von dem nur zu diesem Zwecke her-

70, i] Medea-Probleme. " 7

beigeführten Aigens sieb eine sicbere Zuflucbt und Zukunft erbettelt bat.^)

Wozu das, wenn ibr am Leben nichts mehr li^gt? Das stimmt beides nicht zusammen. Die verzweifelte Äußerung des Lebensüberdrusses würde durch die unglückliche Aigeus- szene sogar in den Verdacht leerer Phrase kommen, wenn die Kunst des Dichters seiner Heldin nicht eine leidenschaftliche Tiefe der Liebe und des Hasses eingegeben hätte, die uns überzeust, daß der Vulkan ihres Herzens ausgebrannt ist, wenn sie ihre Rache um den Preis ihrer Kinder erkauft hat. Ihr Leben ist zu Ende. Nur mit dem Leibe lebt sie fort.^) Der Zuschauer nimmt an ihrem ferneren Schicksal nicht mehr Anteil. Jedenfalls nicht der Zuschauer, den sich Euripides und jeder Künstler wünscht, ein Zuschauer, der seinen künst- lerischen Absichten zu folgen vermag, der mit des Dichters Geschöpfen lebt und fühlt und stirbt. Ein solcher wünscht mit Medea, daß ihre Rache gelinge, daß sie nicht vor der Ausführung ertappt und getötet werde das wäre ihm so unerträglich wie ihr (381) ob sie aber zu Aigeus oder sonstwohin fliehen wird, ist ihm ganz gleichgültig, nur daß sie überhaupt entkomme, ist sein Wunsch. Und daß dies gelinge, davon überzeugt ihn ihre Zauberkunst und schließ- lich sinnfällig der Helioswagen, über den sie verfügt.

i) Nach kurzem Jnbel, jetzt habe sie in Asien einen Hafen für ihre Pläne, enthüllt sie sie dem Chor. Aber die ihr von Aigeus ge- botene Sicherheit spielt nicht herein. Sie erwähnt sie nicht nur nicht, sie sagt sogar ausdrücklich (798): 'ich habe nicht Heimat, nicht Vater- haus, nicht Zuflucht.' Denn so ist anoGXQOfpx] y.civ.&v zweifellos zu er- klären. Die Interpretation 'es gibt kein Ausweichen mehr vor dem Verbrechen' paßt nicht zu ovxs (loi Tcut^lg ovx olv.og %6xiv. Die Paral- lelstelle 258 zeigt es deutlich:

ov (irix^Qi', oi)x ccS(Xq}6v, ovjjt avyyBvi) ^s9oQ(ii(}a6d-aL xfjöS' ^jjoi'ffa av^(poQäg

2) Euripides hat das angedeutet, aber durch Medeas Haß und Triumph (1362) beeinträchtigt. Grillparzer hat es tief empfunden und ihm in seiner Schlußszene erschütternden Ausdruck verliehen.

8 E. Rktiii;: [70, i

Nicht von alliMi wiril die Eutbebrlichkeit der Aijjjeus- szene zngostaiulou. AudtTc hestreiteu sie. Wioilcr iuul(Me geben sie zu, hoben ubor doch hervor, daß sie wesentlich sei für Medons l*liine und den Kindermord, din in der Tut uu- niittellmr naoli ihr und ph'Uzlicli f(M-ti^^ ])is in die Kiii/clheiton von ihr mitgotoilt werden. Am weitesten ist v. AkiNIM ge- gan<:jon (Eiuleituu«,' .•meiner Ausgabe ö. XIX) mit der Behaup- tnn«T. daß erst durch das Gespräch mit dem kinderlosen und von Sehnsucht nach Kindersegen erfüllten Aigeus 'die Keime zu dem Gedanken des Kindermordes in Medeas Seele gelegt würden'. Er gesteht freilieh, daß der Dichter diese Motivie- rung nicht deutlich herausgearbeitet habe. Nein, das hat er gewiß nicht getan, er hat sie nicht einmal leise angedeutet, weder während ihres Gesprächs mit ihm, noch nachher. Mit 771 ist die Aigeusepisode vollkommen abgeschlossen, auch für Medea.

Was sie mit Schlangenklugheit eben von ihm erreicht hat, und was sie laut bejubelt, die sichere Zuflucht in Athen, das bildet in ihrer Rechnung keinen Posten. Das muß doch auffallen. Noch auffallender ist für den, der ihr nachrechnet und das ist gewiß berechtigt dieser ebenso kühl erwägenden wie leidenschaftlich hassenden Verbrecherin gegenüber daß sie der heiß begehrten (390) und glücklich errungeneu Zu- flucht nicht ernstlich gedenkt, als sie von Mutterliebe über- wältigt erwäcrt, ob sie ihre Kinder nicht retten könne 10450"., und gerade hier liegt wieder ein Interpretationsproblem.

II

Trotz der Versicherung bester Euripideskenner, Medeas große Rede 1020 1080, die ihren Seelenkampf spiegelt, sei tadellos, und gerade in ihrem Hin und Her meisterliche Poesie, muß ich gesteben, ich verstehe sie trotz Erklärungen und Paraphrasen und Übersetzung nicht in allen Teilen, so lebhaft auch ich empfinde, wie der Dichter die Zerrissenheit dieser wilden Seele durch zerrissene Rede anschaulich zu machen sich bemüht.

V

70, i] Medea-Probleme. 9

1057 ^fj ^-^Tcc, ■9-Vfta, ^i] 6v y eQyaörj rud?.

sa6ov avTovg, a rdlmf, (pEl6ai rtxvav.

ixsl fied' rifiäv ^avrsg svcpQavovai 6s.

[iä tovs ^0^9 JiÖ7j vsQtEQOvs aldötogas 1060 ovtoi nox Eörcci rovO-' oTCcog syßQOig iya

Ttatdag 7taQy](3(o touj e^iovg nad-vß^iöcci. 1064 Ttccvtag TCBTCQaxTKi tavta xovk ixcpsvistcci.

xccl öl) 'nl XQKÜ öxicpavog, iv TrsTtloiöi ds

vvncpi] rvoavvog blhnai, öarp otd' sya. G. Hermann hat den Finger auf die wunde Stelle ge- legt: 1058 ist in diesem Zusammenhange unmöglich, so ver- ständlich es an sich ist, daß die Mutter mit der Vorstellung spielt, sie werde ihre Kinder mit sich wegführen a^o xaldag ix yaCag iiiovg (1045) und 'dort' werden sie glück- lich mit ihnen leben. Denn entweder so faßte G. Hermann und seine Nachfolger die Stelle muß man 1059 61 mit 1064 ff. zusammennehmen und erklären: 'ich kann und will meine Kinder nicht der Rache der Korinther überlassen, die unweigerlich sie treffen wird, da schon die Prinzessin in dem von ihnen überbrachten Schmucke brennt', oder 1059 61 werden mit 1058 verbunden und ergeben: 'dort draußen werde ich meiner Kinder mich freuen, denn mit mir muß ich sie nehmen, da sie hier der Rache der Korinther verfallen wären' Im ersten Falle reißt der Zusammenhang hinter 1058 ab, im zweiten mit 1061. Aber mag man auch mit G. Hermann und andern durch kühne Änderungen den Sinn des untadeligen Verses verkehren oder annehmen, daß nach 1061 durch große Pause und stumme Gebärde der Schauspieler kenntlich machen sollte, Medea reiße plötzlich sich von diesem Gedanken los und mache sich klar, es sei zu spät die Schwierigkeit liegt tiefer, sie ist nicht durch kleine Mittel zu heben. Sie liegt in der Zwiespältigkeit der Begründung des Kindermordes. Durch das ganze Stück geht sie hindurch, an dieser Stelle wird sie greifbar. Hat Medea keine Möglichkeit, die Kinder zu retten, so ist erstaunlich, daß diese auch in heißester Leiden- schaft kühle Rechnerin die Rettung nicht nur erwägt, sogar

lo E. l^r.Tiu;: [70, i

beschließt 1040—1048 und nocli einmal 1056 1058. Noch viel erstaunlicher nber ist, daß sie diesen Gedanken nicht wcj^en seiner Unmöglichkeit aufgibt, sondern aus Hacbsucht: 1049 xniToi ri Ttädio)] ßovXofua y^hor 6(fXfiv

roXinjt'ov rdÖs. Sieht sie aber einen Ausweg, auf dem sie auch ihre Kinder mit sich Avegführen kann in Sicherheit, so muß man doch fragen, warum tut sie's nicht. Sie hat ihn aber wirklieh. Zweifellos kann die von Aigeus erbetene Zuflucht ihren Kin- dern so gut wie ihr selbst Sicherheit geben. Und die Zauber- kundige würde sie auch lebendig entrücken können, wie sie ihre Leichen mit sich nimmt. Ist es doch verkehrt zu be- haupten und nichts gibt Berechtigung dazu, daß Helios ihr seinen Wagen erst in äußerster Not überraschend gesandt habe. Sie weiß ja doch schon, daß ihr ein übernatürliches Mittel zur sicheren Flucht zu Gebote steht, als sie Aigeus an lieht, und dieser ihr die Bedingung stellt, sie solle selber zusehen, wie sie zu ihm komme; sonst hätte ja die Szene keinen Sinn, Der Dichter hat das deutlich genug gemacht. Warum läßt er nun seine Medea diesen nächstlietjenden Ge- danken nicht wenigstens verfolgen, als sie U7iter den Augen ihrer Kinder schwach wird? Warum nicht schon fassen, als sie, der athenischen Zuflucht sicher, ihre Rachepläne entwirft? Die Antwort ist sehr einfach: weil diese Gedanken zu Ende gedacht Medea vom Kindermorde abbringen mußten. Was Medea will, hätte sie durch Wegführung der Kinder ebenso sicher, für sich selbst aber ganz ohne Schmerz erreicht: Jason hätte Braut und Söhne auf ewig verloren. Denn dafür hätte die Listige und Furchtbare gewiß zu sorgen gewußt, daß diese niemals ihren Vater zu suchen gegangen wären.

Solche Lösung war für Euripides in jedem Sinne un- denkbar. Medea zur Kindermörderin zu machen, das war der geniale Gedanke, der diese unerhörte Tragödie gezeugt hat. Seine Entstehung liegt dank der Mitteilung der älteren Sagen-

70, i] Mrdea-Probleme. ii

formen durch Parmeniskos und Didymos (Schol. Med. 264) klar vor Augen: Die Korintlier sollten Medeas Kinder ge- tötet haben. Das war der Ausgangspunkt für Euripides, und deutlich ist er noch wahrnehmbar: 1060 peitscht sie sich zum Kindermorde auf mit der Vorstellung, dieKorinther würden ihre Söhne mißhandeln, und noch einmal 1238 'sogleich muß ich jetzt fliehen und meine Kinder umbringen, um sie nicht einer feindlichen Hand auszuliefern; sterben müssen sie, so soUen sie's durch die Mutterhand.' ^) Nun gilt es für Euri- pides, einen Grund für die Wut der Korinther gegen die Medeakinder zu ersinnen. Den fand der Dichter zugleich mit der hinterlistigen Rache Medeas an der Nebenbuhlerin: er ließ die Fürchterliche ihre Kinder als Werkzeug ihrer Rache benutzen, gleichgültig, ob sie sie damit dem Tode weihte. Als Überbringer der vergifteten Zauberkleider und durch die Kinder konnte sie sie mit Sicherheit der Prinzessin in die Hände spielen waren sie der Wut der Korinther ver- fallen. Sie vor diesem Schrecklichen zu bewahren, entschließt sich Medea selbst, das eigene Blut zu morden.^)

i) M. Breithaupt, De Parmenisco grammatico (Heidelberg. Diss. 1915 = 6011 GtoLxitcc IV) 25: Weil nach allen Zeugen Medea nur zwei Kinder gehabt, sei Parmeniskos' Behauptung, daß Medeas 14 Kinder von den Korinthern ermordet seien, eine leichtfertige Fiktion, er habe die 14 Opferkinder der Korinther zu Medeas Kindern gemacht. Als ob jemals in der Sage es auf die Kinderzahl ankomme. So kann man ein Zeugnis nicht diskreditieren. An sich als voreuripideische Version glaublich, wird es wie durch die Kreophylosnotiz (Schob Med. 264) so durch Euripides selbst bekräftigt, der ursprünglich Medeas Kindermord mit ihrer Angst vor den Korinthern begründet hatte, was Breithadpt ganz übersieht.

2) Die von Didymos Schob Med. 264 gegebene Version des un- bestimmbaren Kreophylos legt die Entwicklung des Euripideischen Ent- wurfs noch näher: da flieht sie nach Ermordung Kreons, ihre Kinder auf dem Altar der Hera zurücklassend, die nun von den Korinthern getötet werden. So ist die Version als Vorstufe der Euripideischen Dichtung durchaus glaublich. Daß sie wirklich dem Euripides vor- gelegen hat, schließe ich daraus, daß auch er den Kreon Medeas List erliegen läßt: sein Tod ergab sich aus ihrem Plane nicht notwendig,

1 j E. Ukiiik: [70, 1

Das war ilcr uvs|)iüii<^fliclu' Eiitwuif für die Tragödie, ans der gegebenen Sage nnd dem Gedanken, Mcdea statt der Korinther zur Mörderin der Kinder zu machen, folgerecht entwickelt, und er war des Dichtere würdig. Eine jjackende Aufirahe, die Leidenschaft eines Weihes wahrscheinlich zu machon, die sogar die eigenen Kinder rüclisiclitslos in hliiider W'u\ als Werkzeug benutzt.

Wenn er schließlich Medea entkommen und die Kinder- leichen ins Heiligtum der Hera bringen lassen mußte die Sage und die Anlage seines Stückes zwangen gleichermaßen dazu so konnte er das kaum anders als durch ein Wimdor bewerkstelligen. Daß er dadurch aber auch eine MCtglichkeit ihrer Rettung erölhiete, wird ihm schwerlich Sorgen geschahen haben, Avie er diesen Schluß sogar für die letzte P^assuug un- bedenklich beibehalten hat, obgleich er nach Einfügung der Aigeusszeue noch weniger ]\ißtc, durch die auch den Kindern Zuflucht und Sicherheit gegeben wurde. Die Einführung des Aigeus erst hat ihm den Plan verrückt und ihn zur Erkenntnis gebracht, daß er der zwingenden Folgerichtigkeit entbehre. Und so hat er denn ein zweites Motiv für den Kindermord eingeführt: sie will durch ihn ihren Gatten strafen. Es ist bezeichnend, daß dieser Gedanke zuerst und am schärfsten unmittelbar nach der Aigeusszene von ihr ausgesprochen wird: 817 ovra yuQ av fidltöra öriyßdri n66iq.

er wird uur durch Zufall herbeigefübrt.. Offenbarer Zusatz aber ist der Schluß: rohi dt Kgiovrog oh.tiovg ciTtov.tsivavtag uhtovg [f)iu!^ovvui Xoyov 6zi, T) Mriiiiici ov yiövov xov Kgiovra kVi-ii v.u\ xovg iuvirß nc/Jdui dcitintiivf.] Und Zusatz aus Euripides ist auch Athen als Ziel der Flucht Medea3: öeiaacav 6h tovs cpD.ovg Kcd roiig oUaiovg avtov (sc. KgioPTog) cpvystv [ilg 'A&ijvag], rovg dh viovg, (tibI vBmrsQoi övtsg ovy. i]Svva.vxo uv.oXov%ih\ inl rbv ßo^iibv TTjg 'Axgcdag 'Hga.g v.uQ'iccii. Die Parallelüberlieferung in Apollodor, Bibl. J, 9, 28, 3 bestätigt beides: XiytTui 6h v.ul ort qievyovoa rovg ■7tat8ccg §'ti vr]niovg övr^g xuriXintv ixirug y.ux^iaccaa inl rbv ßay.bv Tfjg Hgag ri)? 'AKQaiag, KoQiv&ioi dh aizoi'a äiuat'^aavxBg y.axtxgav^dxiaav. Meine Analyse hat durch den !Nachweii«, daß die Aigeusszeue erst nachgetragen ist, bewiesen, daß Euripides zuerst es war, der Medea nach Ahten hat fliehen lassen.

70, i] Medea-Probleme. i 3

Vgl. 794: döi-iov TS Ttdvta övy^ead' ^läaovos

e'|ft,ut yaüig^ quXtärcov naCöav cp6vov (pEvyovöa xal xMö' sgyov dvoöLaturov. Die Schlußszene ist davon erfüllt und 1370 wiederholt sie's dem Jason:

ol'ö' ovKtt sißC. rovto yaQ öa dT^^stai. Aber gerade da, wo mau diesen entscheidenden Gedanken vor allem erwarten sollte, als sie zur Tat schreitet i236flf., wird nicht nur mit keinem Worte auf ihn hingedeutet, es wird sogar ausschließlich als treibendes Motiv zum Morde die Angst ausgesprochen, daß ihre Kinder von den Korinthern zu Tode gefoltert werden würden, und daraus die zwingende Notwen- digkeit gefolgert, sie selbst zu töten. Und selbst beim Ringen der Mutterliebe mit der Rachsucht 1040 ff. entsclieidet nicht das Verlangen, Jason im Tiefsten durch den Tod der Kinder zu treffen. Deutlich wird das nur einmal nebenher erwähnt: 1046 TL ösl ^s 7tat8Qu rävde rolg rovrav xccKolg Xxmovöuv avtijv ö\g rööa atäö&ca xay.d. Aber als sie zum Entschluß zurückzufinden sich müht, nennt sie nicht Jason, sondern braucht den vieldeutigen Plural: 1050 xakoL xC Ttdöxci] ßovlo^ai yikat öcplstv cyßgovq [isd^eiöa tovg e^Lovg ä^ri(.iiovg; Die Alten wie die Neuen deuten das auf Jason. Aber wie kann sie das sagen, nachdem sie ihm die Braut kläglich zu Tode gefoltert hat? Und gleich darauf ist die Rache an Jason durch den Kindermord vergessen, da spricht sie loöoff, nur davon, daß sie sie töten muß, um sie nicht den Korinthern in die Hände zu liefern.

Ich verstehe 1050 nicht, weder wenn ich ihn auf Jason noch wenn ich ihn auf ihn und Kreon und Kreusa beziehe Und ebenso wenig vermag ich

IcoQstxE TtaZdsg ig dö^ovg. otw ds ^r\ Q-saig TracelvaL totg hyLoiöt d-v^aöiv, 1055 avra ßslrjcssi' xstga ö' ov dLaq)d-£QK). wie man seit Reiske und G. Hermann zu tun pflegt, auf Jason beziehen. Wie kann Medea an Jasons Gegenwart beim

1^ E. liKnii;: l7(\ i

Murdo auch nur doiilvciiy Ei- wiirile ilui ja vcrhiiultM-n. WiLA.MOWiTZ läßt in seiner llbersotzAing öra ^slijatt ans di)cli wolil weil es ihm nnlieimlieli ist. leli kcJniite es nur allgemein fassen: '{.(cht .-ille fort, bei diesem (näßlielisten darf uieinand /nü^ogen sein'. Das wilide Sinn haben unmittel- bar vor dem Morde. Und da/.u würde auch der Hefilil an die Kinder passen, in's Haus v.u treten, der im vorliegenden Zusammenhauge unverstäiidlicli ist, da sie sie bei sich behält (io6g). Als Schluß einer Medearede kann ich mir 1049—1055 etwa vorstellen, aber nicht mitten in dieser Rede.*)

Das zweite Motiv für den Kindermord, Jason das l)itterste Herzeleid anzutun, huscht also nur leicht vorüber. Und längst hat man dagegen eingewandt, daß man bei der kühlen Art, v^ie Jason die Verbannung seiner Kinder aus Korinth hin- nimmt, den jieiulicheu Eindruck gewinnt, Medea überschätze die Tiefe des Vatergefühls dieses seichten Fantes und krassen Egoisten.

HI

All diese Schwierigkeiten lösen sich zwar nicht, werden aber begreiflich durch die Annahme, die ich durch die vor- gelegten Erwägungen zu einem Beweise gestärkt zu haben glaube, daß Euripides' ursprünglicher, aus, der korinthischen Sage entwickelter Entwurf das Motiv zum Kindermord allein in Medeas Sorge, der liache der Korinther an ihnen zuvor- zukommen, gesucht hat, und daß erst die Einarbeitung der Aigeusszene ihn auf das Hilfsmotiv brachte, durch die Tö- tung der Kinder Jasons Herz zu treffen. Dadurch ist in die gewaltige Tragödie eine Unklarheit gekommen, die den beiden 'Monologen' nach Kreons Ausweisung 365 ff. und nach Aigeus' Versprechen 1020 ff. verhängnisvoll wurde. Kann jener durch Ausscheiden der von Euripides zur Vorbereitung

i) Bergk, Gr. Lit.-Gesch. III, 512. 140 hat dasselbe empfunden, wenn er 1056 1080 als Wiederholung streicht; doch wer soll diese Pracht- verse anders geschrieben haben als Euripides? Die Schwierigkeit 1058 ff. bliebe auch so bestehen.

70, i] Medp:a-Problemr. 15

der Aigeusszene eingefügten Verse 386 394 zu seiner ur- sprünglichen Kraft und Klarheit gebracht werden, so kann ich im zweiten nur die Schwierigkeit begrenzen: sie liegt in 1049— 1061.

Die Aigeusszene, unerfreulich an sich, widerwärtig für den Charakter der Medea, die sich selbst sichere Zuflucht verschafft und ihre Kinder herzlos schlachtet, peinlich durch diesen kalten Egoismus in der siedenden Leidenschaft der gemißhandelten Frau, mit der wir uns wie der Chor gegen Jasons gemeine Gesinnung auflehnen und für die wir Partei nehmen sollen und es trotzdem tun, die Aigeusszene ist ein Unglück für diese Tragödie geworden, die ohne sie vielleicht die grandioseste des Euripides wäre. Was ihn zu dieser Änderung seines Planes veranlaßte, ist leicht zu sehen und längst gesagt. Man soll es aber ehrlich aussprechen: nicht künstlerische Ziele waren es, sondern sein Ehrgeiz, sein heißer Wunsch, den Athenern zu gefallen. Die Konzession an das Publikum hat sich auch an diesem Kunstwerk gerächt, wie überall.

Der Medeastoff war ganz neu, von Euripides selbst aus einer korinthischen, anders gerichteten, weiteren Kreisen Athens schwerlich bekannten Tempelsage kühn entwickelt. Sein Publikum konnte zu ihm keine Beziehung haben, wie zu den durch Homer allen geläufigen, oder zu andern allbe- kannten, zumal zu den heimischen attischen Sagen, Solche Beziehungen aber zu suchen oder herzustellen, war für den Erfolg des Stückes bei der großen Masse wichtig, die auf das Urteil der Preisrichter durch laute Zeichen des Beifalls oder Mißvergnügens gewiß Einfluß übte. Deshalb sehen wir Euripides jede Gelegenheit benutzen, dem attischen Stolz zu schmeicheln und irgendwelche Fäden nach Attika hinüber zu spannen. Man erinnert sich leicht an Herakliden, Hiketiden, Hippolyt 2,2, Hekuba 466, Troades 799, Iphigenie T. 1450. Für den fremden Medeastoff schien eine Anknüpfung an Attisches doppelt wichtig. Die einzige Möglichkeit gab Aigeus, dessen Verhältnis zu Medea den Athenern durch ihn selbst be-

PhiL-hist. KlasdC 1918, Bd. LXX. 1. 2

l6 E. Hr.TiiK: [7^\ i

kaniit war.') Er konnte ihn wieder in der dankharou Ri)lle des uneigennüt/igen Schützers der Mißliiindolten darstollen und gewann die Gelegenheit, auf das herrlicbo Atlien Hein schönstes Lied singen zu hissen.

IV

Die störende Aigeussz.ene einfach au.szulüäcu, geht nun freilich nicht an. auch wenn sich ihre Vorbereitung 386 394 leicht streichen läßt und man das schönste Chorlied der Tracrödie entbehren wollte. Aber der Nachweis, daß sie eine spätere Zutat ist und daß doch wohl zugleich mit ihr auch die Motivierung des Kindermordes geändert oder vielmehr verdoppelt ist, fordert den Versuch heraus, den ursprünglichen Plan wiederherzustellen. So heikel es ist, so mag er doch gewagt werden im Vertrauen, daß niemand mich für so töricht halten wird, ich bilde mir ein, den Euripides meistern zu können.

Durch die Streichung der Aigeusepisode würden die beiden Jasonszenen fast unmittelbar aneinandergereiht. Medeas zweiter Monolog 772 810 hätte da kaum eine Stelle, jedenfalls keinen Anschluß an die erste. Nach der schroffen Abweisung des Gatten wird auch im ersten Entwurf irgend ein Ereignis die Medea zum scheinbaren Einlenken veranlaßt haben, wie es in der endgültigen Fassung Aigeus' unmotiviertes Erscheinen ungenügend tut. Dies Ereignis kann kaum ein anderes als die Ausweisung durch Kreon gewesen sein. Das zwingt sie zum raschen Handeln. Demnach wäre diese Folge zu ver- muten: erste Jasonszene mit zugehörigem Chor SQcorsq vniQ ^6v äyav sX&ovreg Kreonszeue Monolog Medeas: Ent- schluß zu handeln und Mordplan (vgl. 77 ^S-) Chor aveo Ttotci^&v UQäv xoQovöL TtayuC zweite Jasonszene.

Diese Anordnung würde ich möchte fast sagen der natürliche Aufbau des Dramas sein, jedenfalls würde sie dem

I) V. VViLAMowiTz, Hermes XV, 482, Griech. Tragödien III, 175, I, III.

yo, l] MeDEA-PrOBLKME. ^7

Aufbau der Alkestis, Andromache, auch des Hippolyt und Herakles entsprechen. Sie geben alle zunächst eine Zustands- Bchilderuiig, ehe die Handlung einsetzt. In der Alkestis er- zählt nach der Parodos die Amme dem Chor, wie Alkestis sich zum Sterben bereitet, Abschied nimmt von Haus und Gesinde; nach dem ersten Stasimon sehen wir sie selbst, hören ihre letzten Worte zu Mann und Kindern und sehen sie sterben. Älmliche Zustandsschilderungen gibt der Dichter im ersten Epeisodion des Hippolyt und Herakles, hier der Phaidra in unmittelbarem Anschluß an die Parodos, dort durch den ayhv köycov zwischen Lykos und Amphitryon; in beiden Stücken setzt freilich die Handlung alsbald ein. Die beste Analogie gibt die Andromache. Hier wird nach der Parodos die dummstolze Hermione der an das Thetideion geflüchteten edeln Andromache in scharfem äycjv Xoycjv gegenüber ge- stellt, der die Verschiedenheit ihrer Charaktere hell beleuchtet und die Grundlage für das psychologische Verständnis der beiden Gegenspieler und ihres innern Gegensatzes gibt, aus dem die tragische Handlung entspringt. Es geschieht aber nichts, erst im nächsten Akt bringt Menelaos die Handlung in Gang. Jene Konfrontation entspricht der Gegenüberstellung von Medea und Jason. Sie verfolgt denselben Zweck, hat für die Oikonomie der Tragödie denselben Wert; also sollte sie auch dieselbe Stelle in ihrem Aufbau haben. Statt dessen ist sie in der uns vorliegenden Fassung hinter den Beginn der dra- matischen Handlung durch Kreons Verbannungsbefehl gesetzt. An dieser Stelle unterbricht sie die Handlung. Erst durch Aigeus' Auftreten im nächsten Akt wird sie wieder in Gang gebracht. Dafür wird sich schwerlich ein anderes Beispiel erbringen lassen. So würde sich vielleicht auch durch diese Beobachtung jemand zu einem Anstoß und zu neuem Zweifel berechtigt fühlen können, wenn nur nicht die Szene an der Stelle, wo sie steht, vortrefflich wirkte, wie aus einem Guß erschiene.

Auch ist ohne weiteres klar, daß das erste Epeisodion, so wie wir es lesen, in sich tadellos und ebenso wirkungsvoll

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l8 E. nirrjiK: (70, i

wit» kuustn'ii'h ist. Dfr orston Mt'dearodo, durch die sie sich des Schwpijjens des Chors über ihre Pläne versichert eine erzwnngeue Hiloksiolit auf die hier schon schwer vom Dicliter empfundene leidi,i;e Beteiligung dos durch Kult und (iewohn- heit geheiligten Chors entspricht ihrer zweiten Rede nach der Kreouszene, die auf diese Weise symmetrisch eingerahmt wird. Und vortreÜlich wirkt das frische Einsetzen der dra- matischen Spannung durch Kreons ungestümen Befehl, Korinth zu verlassen, auf den schon im Prolog uns der Alte vor- bereitet hatte, wie durch Medeas ersten Erfolg, der ihre Rache ermöglicht. Es ist das Sophokleische Technik. Er liebt es, seine Hauptperson nach der Parodos in breiter Rede vorzu- stellen. So in der Antigone Kreon, der die eigentliche Haupt- person ist denn er ist der Träger der Handlung von An- fang bis zum Schluß und an ihm rächt sich sein eigenes Tun in den Trachinierinnen Deianira, König Oidipus, Elektra, Philoktet, Oidipus auf dem Kolonos, auch im Aias Tekmessa, dann noch Aias.

Auch darin ähnelt die Technik des ersten Teils der Medea der Sophokleischen, daß er schon vor der Parodos die Handlung beginnen läßt, dasselbe Motiv aber nach der Parodos noch einmal breiter wieder aufnimmt: das Verbot, Poljneikes zu bestatten, kennt Antigone schon beim ersten Auftreten (25), nach der Parodos verkündet und begründet es Kreon noch einmal in seiner Rede^); Oidipus hat sofort nach Mitteilung des Orakels, das die Sühnung des Laios- mordes verlangt, erklärt rovt aTioßiCfdcö ^vöog (138), mit der Parodos gibt er feierlich und breit noch einmal den Befehl, auf den Mörder zu fahnden und zu verstoßen. So bringt im Medeaprolog schon der Pädagoge die Nachricht von Medeas Verbannung, im ersten Akt kommt der König selbst, sie aus- zuweisen. Damit setzt hier die Handlung lebhaft ein nach der großen Rede der Hauptperson, wie das Sophokles zu tun pflegt: in der Antigone meldet der Wächter die vollzogene

i) Vgl. Tycho von Wilamowitz, Dramatische Technik des Sophokles.

70, i] Medea-Probleme. 19

Bestattung, im Oidipus wird Teiresias herbeigefülirt und zur Aus- sage gezwungen. Stets aber drängt nun mit einziger Ausnahme des Aias bei Sophokles, dem Vollender und Meister dramatischer Kunst, die Handlung ohne Stillstand fast atemlos vorwärts.

In Euripides' Medea folgt völliger Stillstand: Medea und Jason setzen sich auseinander nicht über ihre Verbannung, sondern über ihr ganzes Leben, über ihr Wesen und Wollen, das zu unüberbrückbarer Kluft auseinander geht. Nur mit dünnen Fädchen ist dieser packende und für die Tragödie wichtigste Dialog mit der Kreonszene verbunden und so an diese Stelle das Drama geknüpft, mit der kleinen Eingangs- rede, in der Jason Unterstützung für die Verbannung an- bietet, und mit dem Schlüsse 603 ff.

Es wäre ein lächerliches Unterfangen, durch Ausschei- dung der Aigeus- und Umstellung der Kreon-Szene den ur- sprünglich beabsichtigten Aufbau der Tragödie herstellen zu wollen. Euripides hat wohl gewisse Szenen verworfen, als er seinen Plan änderte, und doch hat er nicht alle Spuren der Umarbeitung zu tilgen vermocht.

V

Die Inszenierung der Medea ist vollkommen klar, wenn man nur nichts in das Stück hineininterpretiert. Dieser Grundsatz ist ebenso wichtig und ebenso notwendig wie sein Komplement, nichts abzudingen von dem, was im Text steht,

U. V. WiLAMOWiTZ setzt seiner Übersetzung die Bemer- kung voran: Mie Hinterwand der Bühne stellt den Königs- palast von Korinth dar; neben ihm ein unscheinbares Gebäude, die Wohnung Medeas.' Dem entsprechend läßt er sie und die Ihrigen aus diesem Nebenhause auftreten und in dies ab- gehen, aber Kreon, Jason, den Boten mit der Schreckens- nachricht aus dem Palast kommen. Der Text gibt keinen Anhalt dafür. Auch aus dem Mangel einer Ankündigung Jasons bei seinem ersten Auftreten durch den Chor ist es nicht zu schließen; er nennt sich selbst. Das häufige Fehlen

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E. Bktiik: [7". >

der Aukündigiin^' hat stets einen meist nalielie^fenden Grund. Hin- ist er dunkel wie bei Menelnos' Auftreten in der Aiulro nuicbe 309. Man könnte in beiden lYillen vermuten, daß der un- bedingt zur Heldin stehende Chor ihren Feind mit ausdrucks- vollem Schweiften emitfiingt. Nicht ohne Schein wäre im Gegen- teil aus der neutralen Form, wie Kreon gemeldet wird 267 6^f7j di: x(u Kotovra Ti,ad' i<vcixra yf^g aiBiyovxa zu folgern, dali er nicht aus einem sichtbaren Hause heraustritt, wenn m:in datTe<ren Stellen hält wie Alkestis 136 uVl ijd' ona6C)v h. ()()//«!' xig tQiBTui^ Helena 858 Ixjicdvet d6^cov i] ^BöTCioidog öforoj;, Hekabe 53, Jon 51O, Alkestis 233, Hippolyt 170, Sojdiokles Anti'gone 526, 1181, OR 632, Elektra 324 usw. Geradezu unmöglich aber wird WiLAMOWiTzens Inszenie- ruuo- durch die Schlußszene. Vor Medeas Tür tobt Jason, hier erscheint sie im Helioswageu. Das ist undenk])ar im 'unscheinbaren Nebenhause' auf der antiken Bühne, ich möchte behaupten auch auf jeder modernen. Dieser Theatereffekt muß in der Mitte der Bühne gezeigt werden, sonst wirkt das Bild schief. Nun nutzt Noack Wilamowitz' Vermutung für seinen Bühnenentwurf aus.^) Er vermutet, innerhalb des Orchestrakreises ein Megaron in der Mitte, je ein kleines Ge- bäude im rechten Winkel dazu links und rechts daneben ununterscheidbar zwar, aber das eine ein Propylon, das an- dere ein Haus so daß diese ihre Fronten einander zu- kehren, der Masse der Zuschauer aber die kahlen Seitenwände zeichen. Ich stimme Dökpfeld in der Ablehnung dieser reinlich durchgedachten Hypothese, von vielen andern abgesehen, schon aus dem Grunde bei, weil sie auch nach meiner Überzeugung 'nicht mit der Tatsache in Einklang zu bringen ist, daß bei dem Steinbau des IV. Jahrhunderts die Szene nicht nur ganz außerhalb des Kreises, sondern sogar noch in einem größern Abstände von ihm errichtet ist.' Medea würde nach NoACK also im Hause links Avohnen und in der Schlußszene in

I) F. Noack, c-ativt, TQuyiy.i], Tübinger Doktorenverzeichnis 1915, 38. Dazu W. DöRPFELD, Wochenschrift f. kl. Philg. 191 7, Nr. 8 u. 9 und L1P8IUS, Lit. Zentralblatt 1916, S. 17.

70, i] Medea-Probleme. 21

seinem Pförtchen auf dem Helioswagen erscheinen, sichtbar nur für wenige Zuschauer auf der äußersten rechten Seite des Theaters.

Dargestellt war weiter niclits wie ein einziges Haus, wie stets in der Zeit von 460 bis in die zwanziger Jahre, Dies bewohnte Medea. Wo wir es in Korinth zu denken haben, deutet der Dichter mit keinem Worte an, und ist wahrlich gleichgültig. Der Königspalast liegt wo anders, vielleicht ziemlich weit. Doch ich will nicht die dichterische Freiheit beckmessern, und nicht aus der Länge des Botenberichts die Entfernung des Schlosses von Medeas Haus berechnen. Medea ist nicht Bettlerin. Diener und Dienerinnen führt sie mit sich, kostbare Pi-achtge wänder überirdischen Glanzes, fürstlich tritt sie auf. Einen Bettler hätte Kreon sich auch wohl nicht zum Schwieger genommen. Wir dürfen und sollen uns nicht realistisch ausmalen, wie Jason mit solchem Gefolge und Hausrat seinen Umzug nach dem Peliasmorde habe be- werkstelligen können. Genug, der Dichter führt ihn und die Seinen als Fürsten ein und nicht als Landstreicher. Also nahm auch niemand daran Anstoß, daß Medea ein stattlich Haus bewohnte.

In der Schlußszene läßt auch Wilamowitz jetzt zu meiner Freude Medea auf dem Helioswagen in der Tür ihres Hauses erscheinen, nicht in der Luft über dem Dache, wie man früher nach Angabe des Scholions allgemein annahm. Jenes steht mit klarsten Worten im Text:

;faA^T£ y.X^dag wg tcr/^Löra, 7Cq6<37CoXoi, 13 15 B'nXvs?^ ägiLovg, dig (^Sc3 öltcIovv xccxöv. 1317 tC rdade xLVstg y.uvccnoxXsveig iivXag^ und wird, wenn's möglich wäre, noch bekräftigt durch die Parallelstelle im Hvppolyt:

808 lalät^ y.X)]d^Qa, xqo6x6Xoi, nvlco^idrav i^Xved-' KQ^ovg, ag ida niKgciv &edv. Da hat nie jemand gezweifelt, daß Theseus die Hauptpforte öffnet und dort Phaidras Leiche sieht, der er den schlimmen Brief entnimmt.

22 E. Bethe: Medf.a-I'uohlemb. [70, i

Für die Moden wird das nun lioffi'iitlich jiuch nllgeniein zuj^'ostandon, naclulcm WiLAMownz (Gr. Tragödien 111, 255) 1296 8 uthetiert hat, die für die Ijul'terscheiuuiig verwertet werden konnten, vielleicht aber erst eingelej^t sind, als man später Medea wirklii-h in der Luft sehen ließ. Aber die an- dere Forderung, die ich l'rolog. z. Gesch. d. Theaters 147 auf Gruud des Textes erhob, wartet immer no(di vergeblich auf Anerkennung, auch den zweiten Teil jenes Scholions 1320 (vgl. Hyj)othesi8) zu verwerfen, dessen erster für Euripidea notorisch falsch ist, daß nämlich Medea in der Luft anf einem von geflügelten Draclien gezogenen Wagen erschienen sei. Die bildliche Überlieferung zeigt sie freilich so. Aber sie weicht so stark von Euripides ab^), daß ich ihr bindende Kraft nicht zumessen kann. Euripides sagt nur, Helios habe Medea seinen Wagen gegeben. Wie er ihn durgestellt hat, weiß ich nicht zu raten man könnte an einen Flügel wagen etwa denken aber daß er den Athenern zugemutet habe, Helios lasse sich von Schlangen ziehen, ist mir heute noch wie vor zwanzig Jahren ein ungeheuerlicher Gedanke und wird mir durch Triptolenios' Schlangenwagen nicht begreif- licher; Schlangen sind für die Erdgöttin und ihren Klienten passende Tiere, aber unmöglich für den Sonnengott. Auch das Abfahren der Medea ist mit keiner Kunst aus dem Texte herauszulesen. Sie verschwindet, d. h. die Pforten schließen